Narrenblut macht dem Schandele Beine

 

REUTLINGEN. Fast hätte das Schandele, die Narrenfigur des Reutlinger Männervereins, die neue Saison verschlafen – wenn nicht zwei Zauberer mit einer überdimensionalen Spritze nachgeholfen hätten.

 

Reichlich Blut musste fließen, um das Schandele zum Leben zu erwecken.  FOTO: NIETHAMMER
Reichlich Blut musste fließen, um das Schandele zum Leben zu erwecken. FOTO: Markus Niethammer

 

Reichlich Narrenblut – ein paar Liter braucht’s nach langem Schlaf schon – war notwendig, um der Figur unter den leicht verstümmelt klingenden Tönen von Edvard Griegs’ »Morgenstimmung«, dem ersten Satz der Peer-Gynt Suite Nr. 1, auf die Beine zu helfen. Die Musik, die zuvor lief, hatte Ballermann-Charakter.

Das Reutlinger Schandele wurde nach zweijähriger Vorbereitung im Februar 1987 von Jürgen Hohl aus Eggmannsried entworfen. Die Figur orientiert sich an »Marcus«, einem am alten Spitalhof angebrachten Prangersteinbild aus dem 12. Jahrhunderts. Logisch, dass diese Narrenfigur dort jedes Jahr zum Leben erweckt wird.

Gekommen waren am Samstagabend auch befreundete Narrenzünfte, die im Sternmarsch auf den Spitalhof vorrückten. Am Ende waren es 200 bis 300 Schaulustige, die sich das Spektakel nicht entgehen lassen wollten.

Mit einem dreifachen »Schandi-Schando« ging’s in die neue Saison, die in diesem Jahr reichlich kurz ist: Am 10. Februar ist Aschermittwoch. Das mag diejenigen freuen, die mit der närrischen Zeit nicht viel am Hut haben.

Für das Reutlinger Schandele heißt es aber mächtig Gas zu geben, ehe es sich in viereinhalb Wochen wieder zur wohlverdienten Ruhe auf seine Bahre legen darf. (GEA vom 11.01.2016)